Helle Nacht |
espérance
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Beiträge: 229
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Mich weckt heller Schein. Das Licht des Vollmonds flutet das Zimmer. Ich kann noch nicht lang geschlafen haben, vielleicht eine halbe Stunde, vielleicht weniger. Die Tür steht offen. Mein Hund schreitet wiederholt vom Flur zur Küche und zurück. Er muss raus, ausgerechnet jetzt. Langsam schiebe ich die Decke beiseite und verlasse das Bett, das Zimmer, das Haus.
Der Hund und ich gehen dem Mond entgegen, in den Wald, hinunter zum Teich. Ich lasse mich auf einer hölzernen Bank nieder. Das Laub am Boden raschelt, Kronen beginnen zu knarren. Mich schaudert. Am gegenüberliegenden Ufer wurzeln alte Bäume, schwarze Giganten im Silberlicht. Ihre Arme, müde und kahl, halten meine Gedanken. Ich denke an dich, setze dich zu mir, ganz dicht, und du legst deinen Arm um meine Schultern. Ich spüre deine Stärke, fühle mich geborgen, und möchte dich unbedingt etwas fragen. Um uns wird es ruhig. Ein Wald schläft nie, und doch glaube ich, ein einziges gesprochenes Wort könne ihn in diesem Augenblick stören.
Mich bewegt ein Gedanke: Was kann ich dir geben? Gesundheit – ich bin keine Ärztin. Reichtum, woher? Zufriedenheit, du kannst sie nur allein finden.
Ich sehe deine Augen. Bilder erscheinen mir aus Tagen, an denen Missverständnisse und Zweifel den Schalk in uns umzingelten. Freigelassen knüpfte er weiter an einem noch stärkeren Band.
Der Hund weilt bei mir, die ganze Zeit. Er könnte laufen, stöbern, jagen – er ist frei! Er wärmt meine Füße, zeigt mir sein Nahesein mit Nähe, fragt nie, warum ich etwas tue. Ihn kümmert nur, wie wohl er sich in meiner Gegenwart fühlt, als versichere es: Alles wird gut.
Ja.
Ich nehme deine Hand und drücke sie, fest.
__________________ Je weiter ich weg bin, umso näher kann ich 'rankommen
Dieser Beitrag wurde 5 mal editiert, zum letzten Mal von espérance: 20.04.2010 14:04.
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28.02.2010 12:36 |
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espérance
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Beiträge: 229
Themenstarter
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Ich habe mit dem Text 'Helle Nacht' an einer Schreibaufgabe mit Gewinnspiel (nachgestellte Casting-Show "SchreibStar!" aus dem Buch Möchtegern von Milena Moser) teilgenommen, und heute morgen entdeckt, dass er unter den Veröffentlichungen der besten Beiträge zu lesen ist. Fast 70 Einsendungen soll es gegeben haben - 61 Veröffentlichungen habe ich gezählt. Gar so streng war die Jury also nich ...
__________________ Je weiter ich weg bin, umso näher kann ich 'rankommen
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02.03.2010 09:06 |
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espérance
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Beiträge: 229
Themenstarter
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Lieber kunstmaler,
falls du hier lesen solltest, vielleicht kannst mir helfen. Ich hab grad einen Hänger, weil ich mich frage: Wenn Wind die Baumkronen bewegt, knarren dann die Kronen oder knarrt es in den Kronen??? Ich tendiere eher zu letzterem ... oder ist beides möglich?
Hoffnungsvolle Grüße,
espérance
__________________ Je weiter ich weg bin, umso näher kann ich 'rankommen
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20.04.2010 13:51 |
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kunstmaler
Moderator
  
Dabei seit: 26.03.2006
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eine hübsche frage, liebe espérance(lächel).
rauscht es nicht eher, oder winselt, jault - in den kronen? dort finden sich die jüngsten äste.
das knarren kommt eher von weiter unten - deshalb hört man es. würde ich meinen.
doch wenn - dann sicher "in den Kronen".
bei Deinem nun gekrönten(lächel) text frage ich mich, was ich mit dem ende anfangen soll(lächel). speziell mit diesem:
"Ihn kümmert nur, wie wohl er sich in meiner Gegenwart fühlt, als versichere es:
Alles wird gut."
kümmert einen hund etwas? mich selbst würde es nicht kümmern, wie wohl ich mich fühle. ich würde es genießen.
und wer ist "es", das versichert, alles würde gut?
irritiert mich arg.
liebe grüße
kunstmaler
__________________ worte sind nicht einfach
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20.04.2010 17:28 |
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espérance
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Beiträge: 229
Themenstarter
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Lieber Kunstmaler,
du beantwortest meine eine Frage mit drei Gegenfragen - ja, wie soll ich denn so jemals zum Abschluss kommen???*lach*
Erstmal lieben Dank für deine schnelle Hilfe.
Rauschen, Winseln, Jaulen wären aber doch die Geräusche des Windes - und das Knarren käme vom Baum selbst, oder nicht?
Mir ist eingefallen, dass es auch Wipfel gibt. Sind Wipfel und Kronen zweierlei Baumteile?
Aber 'Wipfel' hört sich zu nett an, passt nicht in die Atmosphäre meiner Geschichte.
Das Ende ist noch unverständlich, zu abrupt - ich seh es ein. Ich arbeite dran, deshalb möchte ich jetzt nicht vorweg zuviel erklären.
Ob einen Hund etwas kümmert? Nun ja, er denkt wohl nicht über seine Situation nach, doch auf irgendeine Weise wird er ein Befinden haben. Ich meinte, dass er keine Kritik am Menschen ausübt. Es ist ihm z. B. schnurz, wie der Mensch aussieht, weil es das Vertrauensverhältnis nicht beeinflusst. Es ist ihm auch egal, wie oft ein Mensch traurig ist, solange die Rollenverteilung in der Rangfolge dadurch nicht infrage gestellt wird.
| Zitat: |
| und wer ist "es", das versichert, alles würde gut? |
Das "es" ist dieses Gefühl, diese Sicherheit, dass Fehler kein Ende bedeuten müssen, dass da etwas ist, was trotzallem bleibt, etwas das einen darauf vertrauen lässt, dass man nicht allein ist.
Ich komm schon noch drauf, wie ich "es" erklären könnte, dauert nur ein bisschen ...
Liebe Grüße,
espérance
__________________ Je weiter ich weg bin, umso näher kann ich 'rankommen
Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal von espérance: 21.04.2010 17:15.
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21.04.2010 15:52 |
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kunstmaler
Moderator
  
Dabei seit: 26.03.2006
Beiträge: 1.494
Herkunft: Chemnitz
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liebe espérance,
gäbe es auf der erdoberfläche nichts, an das der wind anstoßen könnte, würden wir auch nichts von ihm hören.
"geräusche des windes" gibt es also nicht. was wir vernehmen, auch sehen, ist quasi das echo seiner bewegung, die man auf freien flächen "vernimmt", weil sie sich zum beispiel in den ohren, oder auch nur an den letzten grashalmen bricht.
der wipfel eines baumes ist der jüngste, noch bewegliche obere teil(der krone, wenn der baum alt ist).
ich überlege auch schon die ganze zeit, ob ein "knarren" die richtige beschreibung dessen ist, was man(im baum, seiner krone) hört. bin da aber mit mir selbst noch nicht im reinen.
nur sicher, dass es nicht aus dem jungen teil des baumes käme.
ganz sicher nun hat ein hund ein befinden(lächel). doch in der regel "kümmert" sich auch ein mensch darum, dass er sich wohl fühlt, es bekümmert ihn, wenn das nicht so ist. doch wenn man sich wohl fühlt - woher soll da kummer kommen(lächel)?
das "kümmern" ist in Deinem satz irgendwie deplaziert, finde ich. vor allem in dieser situation, da er doch zeigt, dass er sich beim menschen wohl fühlt.
willst Du jedoch zeigen, dass der hund dessen stimmung spürt, müsstest Du anders formulieren.
soweit erst mal noch.
liebe grüße
kunstmaler
__________________ worte sind nicht einfach
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22.04.2010 04:55 |
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putzi

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Dabei seit: 16.09.2006
Beiträge: 1.272
Herkunft: Frankreich So wünsche ich mir Kritik: Offen und ehrlich, hilfreich und kreativ.
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Liebe espérance.
Meiner Meinung nach gehört das Wort „knarren“ zu altem Holz. Das wiederum ist in Baumwipfeln selten zu finden.
Was hältst Du davon:
Das Laub am Boden knistert, Kronen beginnen zu rauschen.
Doch etwas anderes irritiert mich an Deinem Text.
Du schreibst:
Der Hund und ich gehen dem Mond entgegen, in den Wald, hinunter zum Teich.
Und endest mit:
Ich nehme deine Hand und drücke sie, fest.
Sicher; der Partner erscheint in der Vorstellung Deiner Protagonistin, ist schon klar. Jedoch ist meiner Meinung nach der Schlusssatz zu körperlich betont.
Schön, wieder von Dir zu lesen,
putzi
__________________ Auf den Schwingen der Fantasie erschaffe ich mir meine Welt. Variationsreich und liebevoll - so, wie sie mir gefällt
http://minutengeschichten.npage.de/
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25.04.2010 14:56 |
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